Mit mehr als einem Monat Verspätung nun eine kleine Zusammenfassung unseres Chinatrips im Juni und ein kleiner Ausblick auf die nächste Zeit…
Da mein FSJ in Taiwan zu Ende ging und uns in unserem Vertrag die letzten vier Wochen als sogenannter „Reisemonat“ zugesichert
wurden, ließen sich zumindest noch drei andere FSJler aus dem ICYE-Taiwan-Programm (von noch anfangs fast 10 Interessenten) zu einer Chinareise durchringen. Max, Felix, Alejandro und ich machten uns so am 4. Juni, schwerbepackt mit Rucksäcken, auf, China für einen Monat unsicher zu machen.
Nach gut 2 Tagen Hong Kong und einem Tagesausflug in das „Las Vegas“ Asiens, Macao, überschritten wir die Grenze zum „echten China“ und dort, in Shenzhen, sollte auch schon die erste erzählenswerte Geschichte mein „Tagebuch“ füllen. Hier ein kleiner Auszug aus meinem Sammelsurium von Zetteln, das während den endlosen Zugfahrten entstanden ist:
Chinesen sind gerissene kleine Kreaturen! Gleich zu Anfang, auf den ersten 500m nach den Grenzkontrollen von Hong Kong nach Shenzhen hat es einer meiner Mitreisenden […] (ich will mal nicht näher darauf eingehen wer…) geschafft, einem dieser durch und durch originellen Geschöpfen auf den Leim zu gehen. Nichts ahnend saßen wir in einem Fastfoodlokal im Bahnhof von Shenzhen, bei höchst traditionellen Gerichten wie Spaghetti mit Tomatensoße und Steak, zusammen, als sich ein kleiner nervöser Chinese zu uns setzte – soweit nicht ungewöhnlich! Er konnte kein Englisch, aber wir konnten ja mit Chinesisch dienen und so packte er schon nach kurzem Smalltalk ein nagelneues iPhone 16 GB aus. Nett wie er war wollte er es uns für den „Freundschaftspreis“ von umgerechnet nur 180 € verkaufen. Das ganze war natürlich viel zu schön um wahr zu sein und da sich nach einer kurzen Untersuchung die Vermutung es wäre gefälscht als unbegründet rausstellte, waren wir uns einig, dass er es geklaut hatte. Als ehrliche Menschen wollten wir es so natürlich nicht ohne weiteres kaufen, sodass der Preis nach und nach bis auf 50€ fiel. Irgendwann konnte […] der Versuchung nicht mehr wiederstehen und das iPhone wanderte in die eine und die 50€ in die andere Tasche. Nun kommt der dreiste Teil: der kleine Chinese zog aus seiner Tasche, die bis oben hin mit noch verpackten iPhones gefüllt zu sein schien, ein neues aus und wollte es an uns andere verkaufen. Er hatte sie direkt aus der Fabrik meinte er dazu nur. Das „neue“ iPhone, dass er vermeintlich grade eingeschalten und uns anderen in die Hand gedrückt hatte, sah haar genauso aus, wie das andere und einer meiner Kollegen meinte noch: „komisch da sind ja dieselben Programme drauf wie auf dem anderen…“ Wir ließen uns, so verlockend es auch war, nicht mehr überreden und verjagten ihn nach einer Weile. Bei den meisten wird es jetzt vielleicht schon bimmeln, doch wir waren so sehr damit beschäftigt, den kleinen Chinesen als Hehler und Dieb abzustempeln,dass wir gar nicht darauf kamen, dass er eigentlich in uns seine Opfer finden wollte. Erst als er schon um die Ecke war und […] versuchte sein neues Handy einzuschalten, kam mir dieser Gedanke. Der Chinese hatte nur ein iPhone und das hatte er immer noch! Was er noch hatte, waren sehr flinke Finger und eine überaus gerissene Taktik. Was […] in den Händen hielt und sich nicht einschalten ließ, sah zwar genauso aus, stellte sich aber als mit Blei gefüllte Hülle heraus. Wir haben selten so gut gelacht (zumindest wir drei die sich nicht überreden ließen) und irgendwie haben wir es dem Chinesen gegönnt. Wenn man schon beschissen wird, dann wenigstens mit Stil…
Ich will niemanden mit langweiligen Details langweilen und somit hier unsere nächsten paar Etappen im Schnelldurchlauf:
Mit dem Zug ging es die Ostküste hoch nach Ningbo, Hang Zhou, zu den gelben Bergen von Huang Shan, nach Shanghai, weiter nach
Quing Tao, einer ehemaligen deutschen Kolonie in der man sich wie im tiefsten Schwarzwald fühlt, und dann hoch nach Beijing, wo wir erst mal eine Weile bleiben sollten. Der obligatorische Ausflug zur Mauer, sowie in die verbotene Stadt stand dort genauso auf dem Programm wie der kulinarische Ausflug zum Nachtmarkt, wo es neben Skorpionen und Schlangen (die wir uns gönnten), auch Hundeeintopf und ähnliches zu probieren gab.
Die nächste Etappe hieß Xi An von wo aus wir Anlauf zur Terrakottaarmee nahmen und von wo aus 2 Tage später unser Flug nach Lhasa gehen sollte. Tibet stand bei den Orten wo wir drei (Alejandro war bereits von
Beijing aus zurück nach Taiwan geflogen) in China hinwollten ganz oben auf der Liste, obwohl lange nicht feststand ob das klappen würde. Schon in Shanghai haben wir versucht mit Hilfe eines Tibetbüros an eine Genehmigung zu kommen, doch bis wir den Zettel letztendlich am Tag vor unserem geplanten Abflug in Xi An in den Händen hielten sollten noch gut 2 Wochen und viele Telefonate vergehen. Das ganze hätte jeder deutschen Behörde Ehre gemacht, denn niemand fühlte sich zuständig und es verging erst mal einige Zeit, bis ich überhaupt jemanden auf der anderen Seite der Leitung hatte, der zwar auch kein Englisch konnte, aber uns wenigstens helfen wollte. Nun ja nachdem wir ein Haufen Geld als Barüberweisung an jemanden überwiesen hatten, den wir nie gesehen haben, hat das ganze doch noch geklappt und wir waren unterwegs nach Tibet. Dort erwartete uns auch schon unser kleiner tibetischer Reiseführer mit dem ganz und gar nicht passenden Namen „Laba“ und unser chinesische Aufpasser…äh – Fahrer.
Die nächsten drei Tage waren mit Sicherheit die beeindruckendsten auf unserer Reise und man konnte sich endlich mal selbst ein Bild machen, von diesem endlegenden Teil der Erde, von dem man schon so viel gehört hatte und doch nichts wusste. Wirklich viel haben wir aus unserem Reiseführer, abgesehen von Daten und Fakten nicht rausgekriegt, aber dass er nicht ganz offen reden wollte, war bei der Militär- und Polizeipräsenz in Lhasa nur verständlich gewesen.
Zurück ging es mit dem Flieger nach Chongqing, einer der größten, der mehr als 160 Millionenstädte Chinas und mit über 30 Millionen gemeldeten Menschen die größte Kommune der Welt. Die wenigsten werden hiervon bereits etwas gehört haben und ich
musste während unserer gut 9000km langen Reise durch China immer wieder feststellen wie wenig man selbst als „Seelenchinese“ (wie ich neulich genannt wurde :P) über die Metropolen dieses Landes weiß. Aber genug Erdkundeunterricht, zurück zu Chongqing… Von dieser riesigen Stadt haben wir im wahrsten Sinne des Wortes nicht allzu viel zu sehen bekommen. Sie ist nämlich nicht nur eine der größten, sondern auch eine der dreckigsten Städte. Da man dort noch um einiges schlechter atmen konnte wie in Tibet und man ohnehin nichts sehen konnte, suchten wir uns noch am selben Tag ein Kreuzfahrtschiff, dass uns die nächsten drei Tage durch die vielen Schluchten den Jangtse rauf, bis hin zum Drei-Schluchten-Damm fuhr. Dies war wohl der lustigste Teil unserer Reise, bei dem wir grade mit unseren Tischnachbarn sehr viel „Spaß“ hatten, aber hier will ich die Einzelheiten auch mal lieber unter Verschluss halten und vielen habe ich es ohnehin schon erzählt…
Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir in Gui Lin und danach wieder in Hong Kong. Gui Lin ist der landschaftlich schönste Teil Chinas, denn in diesem riesigen hauptsächlich flachen Gebiet sind überall „Säulenberge“ zu finden. Ein besseres Wort um diese dort wie Stalagmiten aus dem Boden schießenden Felsen zu beschreiben, habe ich nicht finden können. Das ganze ähnelte sehr einer Tropfsteinhöhle, nur ohne Decke – also eine Art Tropfsteinboden?!… naja ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Am besten mal die Fotogalerie durchforsten, oder selbst dort vorbeischauen – es lohnt sich auf jeden Fall!
Am 2. Juli, genau vier Wochen nach Ankunft, ging es dann zurück nach Kaohsiung, Taiwan und wenige Tage später auch schon wieder zurück nach Deutschland. Damit war unser Abenteuer China und auch mein Jahr in Taiwan fürs erste zu Ende, aber zum Glück gibt’s demnächst ein „Taiwan Reloaded“, denn ich habe mich zusammen mit 4 anderen Deutschen für ein weiteres Jahr Taiwan entschieden und so werden wir ab Ende August in Taipeh an der NTNU für ein Jahr Mandarin studieren. Von den ursprünglich 7 Deutschen FSJlern im ICJA-Programm haben sich 4 für ein weiteres Jahr Taiwan entschieden. Ich kann also jedem anderen Taiwan nur ans Herz legen und die Chance es im Rahmen eines FSJs kennenzulernen ist mehr als nur empfehlenswert.
Hier eine kleine Auswahl an Photos aus China…
Ich will mich jetzt fürs erste einmal bei allen bedanken, die diesen Blog so regelmäßig verfolgt haben und bis auf weiteres verabschieden, auch wenn ich in Zukunft versuchen werde diesen Blog am Laufen zu halten. Also auf bald, wenn es heißt: „Taiwan Reloaded“
MFG Nicholas Hopper

Januar 8, 2010 um 4:52 am
Ich habe ein super iPhone Blog gemacht mit Tips und Tricks für das iPhone 3g usw. Top Blog von dir und ein klick auf das iphone http://iphone3g-4free.com lohnt sich sicher auch.