Dies wird wohl mein vorerst letzter Bericht aus Taiwan sein, denn mein Jahr neigt sich hier so langsam dem Ende zu. Am Freitag ist mein letzter Arbeitstag und dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen, von Chiayi, den Heim- und Schulkindern hier und auch schon bald von Taiwan. Nächste Woche hab ich dann frei und nach einem Wochenend-Abschlusscamp beginnt auch schon unser Reisemonat. Wir haben mit dem Max, Felix und Alejandro eine 4 wöchige Chinatour geplant und so wie es momentan aussieht geht es da
mit dem Zug die Ostküste hoch und dann im Landesinneren wieder Richtung Süden.
In letzter Zeit mag manch Einer vergebens nach neuen Berichten auf meinem Blog geschaut haben, aber es ist auch nicht mehr allzu viel passiert. Unter der Woche bin ich nur meiner normalen Routine nachgegangen und habe meine Freizeit genutzt um noch etwas von Taiwan zu sehen, was ich an dieser Stelle erzählen
möchte…
Vor gut 2 Wochen war ich mit dem Max auf der LuDao, der „Grünen Insel“ vor der Südostküste Taiwans. Dies war eine der wenigen Sehenswürdigkeiten, die noch auf meiner To-Do-Liste fehlten. Die Insel war super – Landschaftlich genial und gerade die Korallenriffe
dort waren wirklich toll. Wir waren auch Tauchen dort, konnten direkt durch die Riffe durchschwimmen und unter Wasser Fische, die man sonst nur aus Aquarien kennt, aus der eigenen Hand fressen lassen. Die Insel war an sich wirklich sehenswert, nur auf den Weg dorthin und wieder zurück hätte ich gerne verzichten können. Auf dem Hinweg haben wir das Schiff genommen, und dank eines Sturmes irgendwo vor der Küste, machte der Wellengang es unmöglich irgendwo zu stehen, ohne sich mit beiden Händen festzuklammern. Wir hatten kaum abgelegt, da lagen schon die ersten mit dem Kopf im Eimer und auch ich hab nicht mehr als die Hälfte der Fahrt gegen die zuvor gegessene Ananas ankämpfen können. Letzten Endes gab es kaum jemanden, der die knapp 2 Stunden Fahrt mit gesamtem Mageninhalt überstanden hat und auch den Max, der sich anfangs recht gut geschlagen hatte, erwischte es bei Land in Sicht.
Da wir uns das ganze auf der Rückfahrt nicht nochmal antun wollten, haben wir über eine Telefonhotline einen günstigen Flug gebucht, doch dank eines Buchungsfehlers musste der Max dann wieder das Boot nehmen und ich hab feststellen können, dass ich auch nicht viel besser dran bin. Die äußerst klapprige 20-Mann-Maschine kam kaum höher als 50m und füllte sich nach ein paar Minuten komplett mit Rauch, sodass man kaum noch was sehen konnte. Glücklicherweise war der Flug nach grad mal 10 min auch schon wieder vorbei und der Pilot, der in derselben Kabine vorne in der ersten Reihe saß, schaffte es trotz allem die Landebahn zu erwischen. Keine Ahnung was hier wohl das Problem gewesen sein mag…
Hier die Photos von Green Island (Link zum Blog vom Max)…
Nun zu dem bereits im letzten Bericht angekündigten Trip auf den YuShan, dem Jadeberg, im Zentrum Taiwans. Der YuShan ist
mit knapp 4000m der höchste Berg Ost-Asiens und der Nächsthöhere befindet sich erst gut 2000km weiter, in den Ausläufern des Himalayas. Um ehrlich zu sein hab ich das Ganze etwas unterschätzt. Man musste sich gut 3 Monate vorher für eine Genehmigung bewerben und der gesamte Trip war für 3 Tage angesetzt, doch irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass es wirklich schwierig werden würde, zumal man bereits auf einer Höhe von etwa 2600m anfing. Ich wurde im Vorhinein öfters gefragt, ob ich für das ganze trainiert hätte und sollte merken wieso…
Am Dienstagabend, den 12.05. ging’s nach der Arbeit los in Richtung Berge. Unsere Gruppe bestand aus Max, Tom, Pascal (einem Luxemburger, den wir dort erst kennengelernt haben), zwei Taiwanesen und unserem ebenfalls taiwanesischen Bergführer. In FenChiHu, über das ich bereits einmal Anfang des Jahres
berichtet hatte, wurde halt gemacht. Früh morgens des nächsten Tages ging es dann auch schon los, erst mit dem Auto zur, auf etwa 2600m Höhe gelegenen, ersten Etappe. Nach der Anmeldung im dortigen Visitor Center ging es dann auch schon los. Der YuShan-National-Park ist ein Naturschutzgebiet, in dem es zwei Wege auf den Gipfel gibt. Der Längere ist knapp doppelt so lang und so hatten wir uns für den Kürzeren angemeldet, der entlang einiger anderer Berge und Täler bis hin zum YuShan führte. Schon gleich am Anfang hatten wir die Möglichkeit uns auf den Weg einzustellen, denn fast überall war der Weg gerade mal standbreit und fiel auf der Talseite extrem steil ab, sodass Fehltritte wohl eher fehl am Platz waren. Dieses erste Stück war gut 10 bis 15km lang, in denen zwar
nur gut 800 Höhenmeter zurückgelegt wurden, doch das ständige auf und ab sorgte dafür, dass wir trotz zügigem Gehen und wenigen Pausen fast 5 Stunden gebraucht haben. Als wir ziemlich fertig an der Hütte ankamen, wurde uns gesagt, dass wir hier übernachten würden, obwohl es erst kurz nach Mittag war. Die Hoffnung, dass es dort oben einen 7-11 (wie sonst überall anders auch in Taiwan), oder zumindest irgendeine Möglichkeit etwas zu Essen zu kaufen, gäbe, wurde leider enttäuscht. Alles was es dort oben gab, musste den ganzen Weg von Trägern raufgetragen werden und diese konnten einem wirklich Leid tun. Ich hatte einen Rucksack mit gut 15kg dabei und war schon ziemlich am Ende deswegen, aber was die Träger die wir auf dem Weg überholt haben alles tragen mussten, war nochmal etwas mehr. So mussten wir uns hauptsächlich von Reisknödelsuppe und Ingwertee ernähren und bald danach auch schon ins Bett gehen. Es hieß nämlich die letzte Etappe (und die sollte es in sich haben) beginnt nachts um halb 3!
Letzten Endes hat wohl niemand mehr als 3 Stunden geschlafen, als die allgemeine Aufbruchsstimmung gegen halb 2 losging. Es war ziemlich kalt (um die 5°C, im Vergleich zu mehr als 32°C in Chiayi, am Fuße des Berges) und die Umstellung auf die dünne Luft verursachte Kopfschmerzen. Dazu kam noch, dass wir in einem Zimmer mit gut 40 Leuten schlafen mussten, die einiges an Lärm gemacht haben und von denen viele nicht wirklich schlafen wollten.
Nach dem dickflüssigem Reis-Trockenfleisch-Suppenfrühstück brach unsere Gruppe auf zur Gipfelbesteigung. Wir hatten zwar nur noch eine Strecke von knapp 2 km vor uns, doch noch mehr als 600 Höhenmeter bis zum Gipfel. Jeder war mit einer Kopfbandlampe ausgestattet, die eine akzeptable Sicht in der Dunkelheit ermöglichte. Nach einem Stück, das dem Weg rauf zur Hütte ähnelte, galt es dann die letzten 400m zum Gipfel hochzuklettern. Überall waren Ketten und Seile, mehr schlecht als recht, in die Wand gehauen (viele
Halterungen waren bereits aus der Felswand raus gebrochen), an denen man sich die Felswände hochhangeln musste. Auf dieser Strecke war der Weg (soweit man ihn so nennen konnte) nicht mal mehr standbreit, sodass man in der Dunkelheit gleich doppelt aufpassen musste, nicht ins Tal abzustürzen. Die Aussichten das zu überleben waren nämlich ziemlich gering. Als wir an der Hütte angekommen waren, hatte mir unser Guide die Hütte des Arztes gezeigt und gemeint „Der hat Urlaub!“. Also hätte man im Falle des Falles (im wahrsten Sinne des Wortes) wohl erst von einem der Träger ins Tal getragen werden müssen, um überhaupt medizinisch versorgt werden zu können.
Die letzten paar Meter zum Gipfel waren die schwierigsten, aber so war dann auch die Erleichterung um so größer, als man oben angekommen war und erst mal das Gefühl genießen konnte, der höchste Mensch der meistbevölkerten Region der Erde zu sein.
Der Grund dafür dass wir so früh aufgebrochen sind, trotz Dunkelheit und Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt, war natürlich der Sonnenaufgang und die vorherige Dämmerung, die wir dort oben erleben würden. Und die
waren auch wirklich sehenswert! Im Ranking der Internetseite New7Wonders.com, die bereits für die Krönung der „7 Neuen Weltwunder“ letztes Jahr verantwortlich war, belegt der YuShan momentan den 1. Platz der „New7Wonders of Nature“ in der Kategorie der Berge und Vulkane. Dies wird er wohl gerade diesem Sonnenaufgang zu verdanken haben!
Um ziemlich genau 5 Uhr war es dann soweit und ein paar Minuten später ging es dann auch schon wieder an den Abstieg. Der ging verhältnismäßig schnell, allerdings mussten wir nochmal gut 2 Stunden auf die anderen aus unserer Gruppe warten und hinten abgeschlagen unseren Bergführer, auf den wir immer wieder warten mussten. Allerdings muss man zu seiner Verteidigung sagen, dass er mit Abstand am meisten tragen musste und ohne seinen Gaskocher und seine Reisklümpchensuppe währen wir wohl fast verhungert.
Nach gut 2 Stunden Fahrt waren wir dann auch schon am frühen Nachmittag wieder in Chiayi und unsere Odyssee kam zu ihrem Ende…
Hier alle Photos vom Jadeberg…
Hier ein Link zu den Fotos auf dem Blog vom Max…

Juni 22, 2009 um 7:40 pm
man braucht ein genehmigung? wie und wo kann ich es mir besorgen? vielen dank. gruss tino
Juni 22, 2009 um 7:41 pm
würde mich auf eine antwort auf die mail freuen. gruss tino
März 12, 2010 um 7:16 pm
Die Genehmigung besorgt der Tourveranstalter …